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Pilotsprache

Die Aussprache, auch im Hochdeutschen, weicht oft stärker von der Schreibung ab als man normalerweise wahrnimmt. Erwachsenen, die die Schreibung schon kennen, fällt dies kaum auf. Für Kinder, die nach Aussprache schreiben sollen, stellt dies aber ein Problem dar.

Beispiel: Turm.

Das r in Turm wird meist nicht als normales r, sondern als kaum wahrnehmbares unsilbisches vokalisches r gesprochen. Dies ist in der Tat, wie der Name sagt, ein Vokal. Dieser wird ähnlich wie a gesprochen, weshalb die Schreibung Tuam bei Anfängern relativ häufig vorkommt, ebenso ist Tum nicht ungewöhnlich.

Im Sinne einer Schreibung, die die Laute richtig wiedergibt, wäre Tuam wahrscheinlich genauer als Turm, d.h. das Kind, das „falsch“ Tuam schreibt, schreibt eigentlich richtig.

Um derartigen Problemen zu begegnen, wird häufig die Verwendung einer Pilotsprache vorgeschlagen, d.h. es soll so gesprochen werden, wie das Wort geschrieben wird. Im Falle von Turm wäre das r also deutlich als r zu sprechen. Soweit es nur darum geht, dass die Lehrerin oder der Lehrer die Wörter in dieser Weise deutlich vorspricht, mag dies durchaus in Ordnung sein. Es wird aber teilweise auch vorgeschlagen, dass die Kinder zunächst lernen sollen, in Pilotsprache zu sprechen, damit sie anschließend die Pilotsprache lauttreu richtig schreiben. Da Pilotsprache bedeutet, so zu sprechen wie man schreibt, heißt dies:

Die Kinder sollen, bevor sie schreiben lernen, so sprechen, wie sie schreiben sollen.

Dies ist offensichtlich kaum möglich. Wenn die Kinder noch nicht schreiben können, woher sollen sie dann wissen, welche Aussprache der Schreibung entspricht? Statt gleich schreiben zu lernen, sollen sie erst lernen so zu sprechen, wie sie dann schreiben sollen. Gegen diesen schwer nachvollziehbaren Umweg spricht auch, dass Pilotsprache etwas ist, das eigentlich niemand braucht. Selbst Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprecher, die recht deutlich artikulieren, sprechen keineswegs in Pilotsprache.

 


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Stand: Januar 2015